Tag der Schöpfung und Verleihung des Ökumenischen Umweltpreises 2017

Am 23. Oktober 2017 fand im Anschluss an den ökumenischen Gottesdienst zum Tag der Schöpfung in der katholischen Gemeinde „Zu den Heiligen Zwölf Aposteln“ (Berlin) die Verleihung des ökumenischen Umweltpreises 2017 statt.

Die Predigt hielt Pastorin Martina Basso (Berliner Mennoniten-Gemeinde). Die Preise wurden durch Archimandrit Emmanuel Sfiatkos (Griechisch-Orthodoxe Kirche), Vors. des ÖRBB, und Propst Dr. Christian Stäblein (Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, EKBO), stellv. Vors. des ÖRBB, verliehen.

Es folgte der Vortrag "Kohle, Trump und Papst - warum Beten doch helfen könnte" von Prof. Dr. Ottmar Edenhofer (stellvertretender Direktor sowie Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung).

Die musikalische Begleitung von Gottesdienst und Preisverleihung lag in den Händen von Patryk Lipa (Orgel, Klavier) und Matthias Dörge (Violine).

 

Die Preisträger sind:

1. Preis (1.000 €):
Evangelischer Kirchenkreises Wittstock-Ruppin für das Projekt "E-Mobilität auf dem Land", das ein Carsharing-System mit einem Elektroauto für die Mitarbeitenden des Kirchenkreises realisiert.
www.kirchenkreis-wittstock-ruppin.de

Begründung der Jury:

Der Evangelische Kirchenkreis Wittstock-Ruppin engagiert sich seit Jahren für eine Redu­zierung der CO2-Emissionen in Gemeinden und Einrichtungen. Die Kirchengemeinden sind mit ihren 82 Kirchgebäuden, diversen Pfarr- und Gemeindehäusern und darin befindlichen Büros große Energieverbraucher. Der Pfarrdienst der 26 Mitarbeitenden konnte bisher nur durch die Nutzung privater Kraftfahrzeuge wahrgenommen werden. Da der öffent­liche Nahverkehr in diesem Landkirchenkreis so gut wie nicht existent ist, sind Fahrten zu Gottesdiensten und Hausbesuchen, zu Konventen und Dienstberatun­gen nicht ohne klima­schädliche Fahrzeugnutzung möglich. Der Kirchenkreis Wittstock-Ruppin hat daher im Herbst 2016 entschieden, Elektromobili­tät verbunden mit einem Carsharing-System für zwei Jahre zu erproben und einen rein elektrisch betriebenen Nissan Leaf anzuschaffen. Voraussetzung dafür war der Bezug von zertifizierten Öko-Strom von Greenpeace Energy.

In der Gesamtkirchengemeinde Wittstock befinden sich meh­rere Büros und Dienst­wohnungen in unmittelbarer Nähe des E-Mobil-Standortes. Für sechs Mitarbeitende ist das Elektroauto in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Sie sind außerdem über einen Outlook-Kalender miteinander vernetzt, was Carsharing er­möglicht und die Planung des Elektroauto-Einsatzes vereinfacht. Auch die Reichweite ist zumeist ausreichend, da die größte Entfernung auf häufig gefahrenen Strecken zwi­schen 80 und 120 km für Hin- und Rückfahrt liegt.

Die Jury hat das Engagement des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin für eine nachhaltigere Mobilität überzeugt. Das Projekt verbindet das Ziel der Reduktion von CO2-Emissionen mit dem Gedanken des Carsharing. Der Kirchenkreis hat errechnet, dass er jährlich 2,7 t CO2 nach Abzug der CO2-Emissionen bei der Produktion des Autos spart. Der Kirchenkreis zeigt mit dem Projekt, dass Elektromobilität und Carsharing auch auf dem Land funktionieren können. Die Jury empfiehlt das Projekt zur Nachahmung und für kürzere Entfernungen die Erweiterung der Elektromobilität mit E-Bikes.

 

2. Preis (600 €):
Evangelische Martin-Luther-Kirchengemeinde Fürstenwalde-Süd für das Projekt „E-Tank im Kindergarten Apfelbäumchen“. Das Energiesystem „E-Tank“ ist eine besondere Art von Erdwärmespeicher. In Verbindung mit Solarthermie und einer Sole-Wärmepumpe wird die Beheizung der Kita hocheffizient abgedeckt.
www.kirche-fuerstenwalde.de/martin-luther-gemeinde/kita.html   

Begründung der Jury:

In der Planungsphase des Kindergartens „Apfelbäumchen“ war schon früh klar, dass das Thema „Bewahrung der Schöpfung“ eine wichtige Rolle spielen soll. So stellt es einen der drei Schwerpunkte der Arbeit im Kindergarten dar neben den Schwerpunkten „Begegnung mit Religion“ und „Gesundes Essen – Gesunder Geist“.

Das Energiesystem „E-Tank“ ist eine besondere Art von Erdspeicher, der unter der Bodenplatte oder neben dem Gebäude gebaut wird. Er besteht aus mehreren Schichten Erdreich, durch die ein Leitungssystem verlegt wird. Gefüllt mit einem Wärmeträgermedium dient es zur Wärmeübertragung in das Erdreich. Überschüs­sige Temperaturerträge von verschiedenen Wärmequellen (Solaranlage, Abwärme etc.) können so zwischengespeichert werden. Der E-Tank hat über das Jahr eine Temperatur zwischen +5°C und +23°C und stellt der zentralen Wärmepumpe eine deutlich höhere Quelltemperatur zur Verfügung.

Der Kindergarten „Apfelbäumchen“ hat eine beheizte Fläche von 670 m²  und eine Heizlast von 19 kW. Der E-Tank liegt unter einem Teil der Grundfläche und deckt in Verbindung mit Solarthermie und einer Sole-Wärmepumpe die komplette Ver­sorgung für die Beheizung des neuen Gebäudes hocheffizient ab. In der Stadt Fürstenwalde setzt dieses Projekt ein deutliches Zeichen für Energie­effizienz und ist auch in der Landeskirche als beispielgebend wahrgenommen wor­den.

Die Jury hat besonders überzeugt, dass diese neue Technik weit über die üblichen Standards energetischer Sanierung hinausgeht und dass für Planung und Aus­führung der Arbeiten regionale Firmen eingesetzt wurden. Außerdem fügt sich das durch die hohe Investition bekundete Engagement in den Gesamtrahmen einer in vielen Bereichen ökologisch verantwortungsvollen Gemeinde.

 

3. Preis (400 €):
Ökumenischer Ökologiekreis Potsdam
für das Projekt „Ökofaire Beschaffung zum Kirchentarif“:  Aushandlung eines Rahmenvertrag mit einem lokalen Bürowaren­händler zur Beschaffung von fair gehandelten Produkten und Bio-Produkten für Kirchengemeinden und Privatpersonen.
http://www.evkirchepotsdam.de/content/file/Faltblatt-%C3%96kologischeBes...

Begründung der Jury:

Neben unserem Mobilitätsbedürfnis trägt auch unser Konsum zum Klimawandel bei. Papier, Büromaterialien, Kaffee und Tee werden von Kirchengemeinden und kirchlichen Organisationen häufig eingekauft. Der Ökumenische Ökologiekreis Potsdam hat sich vorgenommen, dieses Kaufverhalten der Kirchen im ökologi­schen Sinn zu nutzen und einen Rahmenvertrag mit einem lokalen Bürowaren­händler ausgehandelt. Hier können Kirchengemeinden sowie kirchliche Einrich­tungen Recyclingpapier, Bio-Reinigungsmittel und fair gehandelte Produkte kau­fen. Auch die Mitglieder der Kirchengemeinden können für ihre privaten Haus­halte diese günstigen Konditionen nutzen, was dazu führt, dass die Wirkungen der Initiative nicht auf institutioneller Ebene stehen bleiben, sondern jede und jeder Einzelne in die Verantwortung zur Schöpfungsbewahrung genommen wird. Der Rahmenvertrag gilt nicht nur für evangelische Kirchengemeinden, sondern steht allen Gemeinden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und deren Mitglie­dern offen.

Der Rahmenvertrag ist seit dem 01.07.2016 in Kraft und wird derzeit von zwei evangelischen Grundschulen, einem evangelischen Gymnasium, acht Kirchen­gemeinden und zwei Kindertagesstätten genutzt. Er erleichtert ihnen die öko-faire Beschaffung und verankert diesen Gedanken dadurch stärker im Gemeindeleben. Somit hängt die Beschaffung auch nicht mehr an engagierten Einzelpersonen, son­dern kann einfacher institutionalisiert werden.

Die Jury sieht in dieser Initiative ein Vorbild für weitere Kirchenkreise. Ebenso wird anerkennend festgestellt, dass bewusst ein Bürowarenhändler aus der Region gewählt wurde. Mit dem Preisgeld soll insbesondere der Ausbau der Öffentlich­keitsarbeit unterstützt werden.

Fotos: Walter Wetzler